Solothurn Zytgloggeturm: Astronomische Anzeige
In Zusammenarbeit mit dem Stadtuhrmacher Martin von Büren und der Muff Kirchturmtechnik AG wurde das historische Uhrwerk 2022 behutsam restauriert. Es wurde mit automatischen Aufzugsmotoren modernisiert und die Ganggenauigkeit durch unsere Pendelsynchronisation erhöht.

Restaurierung der Astronomischen Turmuhr im Zeitglockenturm Solothurn
2022 wurde die berühmte Astronomische Turmuhr im Solothurner Zeitglockenturm in Zusammenarbeit mit Stadtuhrmacher Martin von Büren behutsam restauriert. Dieses historische Uhrwerk, geschaffen 1544/1545 von Laurenz Liechti, ist ein Meisterwerk der Uhrwerkskunst und ein bedeutendes kulturelles Erbe.
Geschichte der Turmuhr
Der Zeitglockenturm wird seit 1406 als Uhrturm genutzt. 1540 beschloss die Stadt Solothurn, ein neues Uhrwerk zu installieren und beauftragte Laurenz Liechti. Liechti konnte das Werk aufgrund seines frühen Todes nicht vollenden, sodass sein Sohn und schliesslich Joachim Habrecht aus Schaffhausen die Arbeiten abschlossen. Über die Jahrhunderte wurden verschiedene Ergänzungen und Anpassungen vorgenommen, um die Uhr funktionsfähig zu halten.
Restaurierungsaufgaben
Die Hauptaufgabe bestand darin, das Uhrwerk in einen Zustand zu versetzen, der sowohl seine historische Integrität bewahrt als auch modernen Anforderungen an Zuverlässigkeit und Wartungsfreundlichkeit entspricht. Dabei lag der Fokus auf der Reversibilität aller Massnahmen, um das kulturelle Erbe zu schützen.
Einbau moderner Technologien
Eine zentrale Herausforderung: das Uhrwerk mit moderner Technik auszustatten, ohne die historische Substanz zu beeinträchtigen. Vier frequenzgesteuerte Elektromotoren automatisieren nun das Aufziehen der Gewichte. Das manuelle Aufziehen, das in den letzten Jahren immer schwieriger zu organisieren war, entfällt. Die Motoren wurden so integriert, dass ein manuelles Aufziehen jederzeit möglich bleibt. Eine denkmalpflegerische Meisterleistung.
Zusätzlich wurde die Pendelsynchronisation eingebaut, um die Ganggenauigkeit des Uhrwerks zu erhöhen. Diese Technologie steuert das Pendel mit Hilfe eines Elektromagneten, der es sanft an seinem Umkehrpunkt festhält und so Justierungen ermöglicht.
Eine weitere Innovation: die Installation eines Videoüberwachungssystems. Mit mehreren Kameras können die verschiedenen Komponenten des Uhrwerks nun jederzeit extern überwacht werden. Das erlaubt dem Stadtuhrmacher, schnell und gezielt einzugreifen, falls Probleme auftreten.
Wartung und Präzision
Während der Restaurierung wurden sämtliche Lager gereinigt, poliert und mit Turmuhrenöl geschmiert, um die Reibung zu vermindern und den zukünftigen Verschleiss zu reduzieren. Wo nötig, kamen neue Lagerbüchsen zum Einsatz, um das Axialspiel der Trommeln zu beseitigen. Ein besonders abgenutztes Windfangklinkenrad wurde komplett neu gefertigt. Die Philosophie: Verschleissspuren soweit möglich durch Aufschweissen und Nachbearbeiten beseitigen, anstatt Teile vollständig zu ersetzen.
Ergebnis
Dank der Restaurierung kann die Solothurner Turmuhr weiterhin zuverlässig ihren Dienst verrichten. Die integrierten Technologien reduzieren den Wartungsaufwand und verlängern die Lebensdauer des Uhrwerks, während sie gleichzeitig die historische Mechanik respektieren und bewahren.
Das Uhrwerk im Zeitglockenturm Solothurn gehört zu den ältesten noch betriebenen Turmuhren in der Schweiz. Ein lebendiges Zeugnis der Uhrwerkskunst des 16. Jahrhunderts und ein wertvoller Teil des kulturellen Erbes, das dank dieser Restaurierung auch in Zukunft bewundert und geschätzt werden kann.
Die Restaurierung eines Meisterwerks, Denkmalpfleger Stefan Blank
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